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BERLIN

Lena Schramm
Ecstasy

Opening: April 29, 2022, 2 – 9 p.m.

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Ecstasy als Bilderatlas und Material
Ein Text von Rosa Windt

Ecstasy as Image Atlas and Material
A Text by Rosa Windt

Ecstasy Tafel 1 – 12
Öl und Pigment auf Leinwand · 572 Tabletten /
Oil and pigment on canvas · 572 tablets
12 Tafeln / Tableaus à 85 x 70 cm /
Gesamt / in total: 255 x 280 cm · 2021

Dass Lena Schramm die Eigenheiten der Ecstasy-Tabletten mit den Möglichkeiten der Malerei eindrucksvoll sichtbar macht, lässt also auf eine Methode aufmerksam werden, die in verschiedenen Bereichen der gegenwärtigen Gesellschaft zum Einsatz gelangt.
Wolfgang Ullrich

(…) der auf der kuscheligen Wirkung von Ecstasy gegründete Traum von der „ravenden Gesellschaft“ ist folgenlos versickert wie der Urin der Love-Parade-Besucher im Tiergarten.
Ingo Niermann & Adriano Sack

Seit es die Ecstasy-Tablette gibt, werden Symbole und Logos auf sie geprägt. Markenwaren und Luxusartikelhersteller reihen sich an Kuscheltiere, Superhelden und Bösewichte. Die Masse der Zeichen auf Ecstasy-Tabletten spiegelt im Miniaturformat unseren vermarktungsorientierten Spätkapitalismus wider.

Als Initialzündung der Übernahme von bestehenden Logos für die Designerdroge kann das von der Acid House Bewegung 1988 in die Partykultur übertragene Smiley Signet gelten. Der Erfinder, Harvey Ball, hatte dieses bereits 1963 zur Stärkung der Arbeitsmoral der Mitarbeiter einer Versicherungsgesellschaft entwickelt. Im Kontext von Raves diente der Smiley fortan zum Vergessen des Arbeitsalltags. Die ursprünglich anarchisch motivierte Verbindung von Drogenkonsum und Markenpiraterie eröffnete den Tablettenproduzenten ein immenses Spielfeld. Seither bedienen sie sich frei am Markt der Wohlstandssymbole.

Lena Schramm hat ausgewählte Symbole und Logos in einem Lexikon und in Malereien zusammengetragen. Die Ausstellung Ecstasy zeigt einen ersten Überblick der unzähligen Zeichen in Ecstasy-Tabletten der letzten 30 Jahre.
Zentrales Werk ist die großformatige Malerei Schramms, auf der um die 572 ausgewählte Ecstasy-Tabletten abgebildet sind. Anders als die Spot-Paintings Damien Hirsts, die auf pharmazeutische Produkte verweisen, zeigt Ecstasy illegale Drogen mit all ihren Widersprüchen von kapitalistischer Warenästhetik und dem chemisch ausgelösten Gefühl von Liebe.

Das zur Malerei gehörige Ecstasy Lexikon enthält die o.g. 572 gemalten Tabletten, alphabetisch nach den verwendeten Zeichen zusammengefasst und erläutert. Der schriftliche Teil wird durch den gemalten Bildteil veranschaulicht. Mit Hilfe eines Bildschlüssels sind Bild und Wort im Lexikon zuordenbar.

Neben dem lexikalischen Hauptteil wird die Publikation von Textbeiträgen des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich, des Strafrechtsanwaltes Christoph Nebgen, des Chemikers Dr. Thomas Wollheim und des Schriftstellers Ingo Niermann sowie des Journalisten und Schriftstellers Adriano Sack begleitet.

Das Lexikon wird vom Verlag für moderne Kunst, Wien herausgegeben.

ECSTASY Band II A–2000
Softcover, 24 x 16 cm, 194 Seiten, Auflage: 400 Stk

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