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Michael Schmidtmann
für jeden was dabei

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Duration until 23.8.2026

„michael maria schmidtmann (geb. mustermann) bringt den alltag in die kunst und die kunst in den alltag.“ diese zunächst einfache, vielleicht sogar überflüssige feststellung erweist sich bei genauerer betrachtung als komplizierter, als es der alltag selbst üblicherweise gestattet. denn was heißt alltag, wenn er aufhört, benutzt zu werden? was bleibt von einem zigarettenautomaten, wenn er keine zigaretten mehr ausspuckt? was verspricht ein malblock, auf dem niemand malt? was zeigt eine rätselzeitschrift, deren rätsel nicht gelöst werden? und was macht ein quittungsblock, wenn er nichts quittiert?

Ausstellungsansichten

in der ausstellung für jeden was dabei widmet sich schmidtmann den großen bildträgern der kleinen verhältnisse: rätselheften, malblöcken, zigarettenautomaten, quittungsblöcken, logos, verpackungen, hinweisen, preisen, tieren, rastern und anderen formen angewandter weltberuhigung widmet er sich. wer hier nur gegenstände sieht, hat vermutlich recht. wer hier zeichen sieht, auch. wer hier eine umfassende untersuchung der gegenwärtigen oberfläche als sozialer, grafischer und ökonomischer schicksalsform erkennt, hat ebenfalls recht. alle haben recht.

Ausstellungsansicht

schmidtmann malt dinge, die bereits gestaltet sind. sie haben farben, schriften, kästchen, gebrauchsanweisungen, bildfelder, markenversprechen, altersbeschränkungen, warnhinweise, freundliche tiere und schlechte preise. sie sind gemacht, um übersehen zu werden, während sie etwas anderes ermöglichen: rauchen, rätseln, schreiben, kaufen, ablegen, abreißen, wegwerfen. die vorlagen sind häufig stockfotos, also bereits vorgefertigte kleine wahrheiten, die schmidtmann liebevoll und akribisch in stundenlanger handarbeit in seinem kleinen parterre kabuff atelier in düsseldorf bilk nachmalt. in der malerei verlieren sie ihre aufgaben. der automat gibt nichts mehr her. das rätsel verlangt keine lösung. der malblock ist ein gemalter block, in dem man nicht malen kann. der bleistift ist aus öl. der inhalt tritt zurück, die verpackung übernimmt. das wesentliche fehlt.

man könnte sagen, schmidtmann betreibe abstrakte forschung am konkreten quittungsblock. seine arbeiten folgen einer neuen dimension von logik und grafik. folgen sie den zahlen und malen sie sich ein bild. oder folgen sie nicht. mir doch egal. die bilder haben darauf keinen anspruch. sie bestehen auf ihrer oberfläche mit der ruhe von dingen, die ihre funktion überlebt haben und nun, leicht vergrößert, in öl, karton und behauptung, noch einmal erscheinen dürfen.

Ausstellungsansicht

dabei entsteht kein nostalgischer blick auf die alltagskultur, sondern eine nüchterne, fast großzügige form der übertreibung. alles ist wichtig, weil alles schon da war: das lamm, das lama, lambda, die zahl, das logo, das logos, das zigarettenfach, der bleistift, das sonderangebot, das heft, die hülse, der braune ton im blau. nichts davon muss erfunden werden. es reicht, es so lange anzusehen, bis es seine verwendbarkeit verliert und etwas anderes behauptet. ich könnte jetzt heidegger zitieren, aber ich lass es.

für jeden was dabei ist nicht nur titel, sondern methode. die ausstellung bietet motive für tierfreunde, raucherinnen, nichtraucher, freundinnen grafischer ordnung, freunde der kunst, ehemalige rätsellöser, freundinnen des kiosks, freunde des blocks sowie personen, die aus beruflichen oder privaten gründen an der fragmentierung von wirklichkeit interessiert sind, oder menschen die zufällig in diese austellung gestolpert kommen. willkommen! für jeden ist etwas dabei. nur mitnehmen kann man es nicht. jedenfalls nicht zum angegebenen preis.

Constantin Heller

Ausstellungsansicht

Galerie Berlin
Schweidnitzer Str 17
10709 Berlin

Opening hours:
Wed – Sat: 12 – 6 pm